4 3 2 - ein Satz

Selbstanalyse (Pt. 20)


Ich habe in mir gelesen, nicht so wie ich auch hineingelesen habe in das neue Werk von Paul Austers namens 4 3 2 1 (...). Und doch empfehle ich es zu versuchen: Klickt hier und geht auf Seite 36. Fangt beim letzten Absatz ("Mildreds Hilfe kam in Form...") an zu lesen, lest bis ein Punkt kommt. Es werden 396 Wörtern folgen, 2137 Zeichen, die Absätze habe ich nicht gezählt. Ein Satz!
Mir wird ja auch gelegentlich nachgesagt, ich würde langatmige Sätze formulieren, nicht so kunstvoll wie der obig erwähnte Autor, eher verworren und umschlungen. Und doch versuche ich mich mit dieser Selbstanalyse daran. Nein! Ich versuchte mich daran. Das dabei ein deutliches Mehr dabei herumkam, war mir beim Schreiben gar nicht bewusst, ist es aber jetzt. Ich bin erschüttert!


»Wenn du in einem Moment deiner körperlichen Manifestation und im Anblick eines deiner Mitgefährten gestelzt auf vier Beinen erkennst, dass deine Träume sich im Diesseits der Wachweltrealität nicht erfüllen werden, für immer verworren sind, nur noch jenseits dieser zeitlichen und räumlichen, andersartigen Barriere, die gar keine ist und überhaupt nicht existieren sollte, ja, wenn du das erkennst, aber dann, nur wenige Minuten später - gemessen an den gängig tickenden Uhrzeitstundenapparaturen, die von innen nach außen wirken, wie wenn man Feuer entzündet, dass eine Gestalt äußerlich erwärmen soll, jedoch niemals ins Innere dringt -, in einem anderen Moment der Erkenntnis gefangen und gleichzeitig frei bist, wieder umgeben von deinem eigenen Selbst und deinen Gefährtinnen - ja, es sind nun zwei -, jene erneut gestelzt und stehend auf ihren insgesamt acht Beinen (eigentlich auf den Pfoten) um deine eigenen nackten geschmiegt (, denn auch du stehst auf deinen Füssen, läufst nicht barfuß auf den Ballen – ja, da ist keine Bewegung), jede Wesenheit zu einer Seite, aber dich nicht touchierend, nicht streifend, nicht berührend, mit keiner Faser ihrer Körperhülle aus Materie, und wenn dich dann in einer solch normalen Situation eine surreale Erkenntnis in jenem Momentum überkommt, währenddessen du mit einer Hand deine ver- und eingesabberte linke Innenseite des eigenen Greifinstrumentars dazu benutzt, um ein Wischtuch von Papierrolle an eben jene anzuheften und die damit verbundene temporär auf der Hautoberfläche vorhandenen natürlichen klebrigen Schicht aus Zungenspeichel dazu hernimmst, dass das Tuch dort hält wie das Harz am weinenden Baum, dennoch ganz unsichtbar und nicht offensichtlich wie eben Harz an Rinde; du stehst also so herum und wedelst mit der Hand um dich, das Tuch bewegt sich sanft schwingend durch den eigens erzeugten Windhauch und tut so, als sei es eine Greifvogel nach dem Rüttelflug, gleitend auf Beuteschau, doch hat es einen anderen Sinn erhalten, von mir, dem Mensch, der es dazu bewegte nur so zu tun, denn es dient eher praktischen Zwecken - ein Einweglappen für eine Vesper, die unmittelbar bevorsteht -, doch vorher oder just in dem Augenblick ruft die Erkenntnis dich hin und her und heim, wenn du dich bewegst mit dem Körper und doch nicht, gefangen bist und doch frei, und erkennst, dass du auch in der Wachwelt soeben ein Bild formst, dass dich noch in vielen Epochen deiner Existenz begleitet und geradezu reell zu dir heimkommen wird in Form eines Traums, weil du gerade dies erschaffen hast, wahrscheinlich deswegen, damit du in einer noch unbekannten Zeit erneut erkennst, dass dieser Moment sich nicht wieder erfüllen wird in der auf die Wachwelt eingestellte Existenz einer körperlichen Hülle aus Fleisch und Blut und dergleichen, dessen Gesamtheit zu so viel mehr fähig ist als dir oft bewusst ist und sich vielleicht auch dann wieder dreht und wendet und erneut Bilder erschafft, die zeitlos werden, weil sie, obwohl schon gelebt, wieder an die Oberfläche aus der inneren Welt aufkommen, und eben dann so wirklich wirken wie als ob es gerade eben so wäre – ja, was also ist jetzt möglich und unmöglich, was real und was surreal, was du magst oder was du willst oder was du kannst oder was du tust, vielleicht nur das was du erschaffst und das, dass du schon erschaffen hast und dich lediglich oder vielmehr gerade deswegen auf ein Neues heimsucht in einer Erinnerung, einem wachen Moment in der Wachwelt, eine Erkenntnis oder… ach, nenne es nicht beim Namen, meine Inspiration verschwindet, sie schwindet, die Energie verdichtet sich, die umgebenden Zweibeiner, nicht in Sichtweise, nicht mit mir verbunden auf zeitloser Ebene - niemals! -, aber in ihrer dunklen grobstofflichen Schwingung mir so nah, wie ich sie nicht will, wie ich sie nicht leiden kann, ja, diese dreckige Schwingungsenergie sucht mich just heim und lässt mich träumen in der Wachwelt sofort und gleich wieder in eine andere Realität meiner Wesenheit einzudringen, die mich vor dieser Grauenhaftigkeit verschont und doch nicht, denn so werden sie immer sein, die Menschen, wie ein Vogel, aber nicht schwingend, nicht rüttelnd, federleicht driftend, sondern in einem immerwährenden fallenden Steilflug ver- und gefangen, fokussiert auf ein Opfer, ich kann sie nicht ändern, doch versuche ich es weiter, heute wie gestern – denn: sie sind wohl alle in der Lage die gleichen Erkenntnismomente zu erschaffen und zu erhalten, die Frage, die bleibt und ist, lautet nur, ob sie es irgendwann wiedererkennen, sich erinnern und umsetzen, aus ihrem eigenen Sein heraus, nicht von etwas an sie von außen herangetragenes, dass niemals in ihr Inneres gelangen wird, weil es nicht aus ihrem Inneren kommt, wie ein entzündetes Feuer, entflammt durch ein natürliches Vorkommnis, sagen und nehmen wir für das Beispiel einen Blitzeinschlag auf einen harzenden Birkenbaum, welcher sogleich Feuer fing, seine Umwelt nicht verschonte und es auf nimmt in seine Brunst, seinem Bann, der alles zerstört, dass sich nicht bewegt, weil es verbunden ist, verwurzelt, auch am fünften zweiten Zweitausendsiebzehn, „4 3 2 1“.«


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